»Wer ist das?«, fragt Niklas.

»Das ist Maxim, dein Brüderchen.«

»Ist er weg?«

»Weißt du doch, er ist jetzt mit Mama im Himmel.«

Das Foto von Maxim, dem Brüderchen, ist ein Ultraschallbild. Er starb im Bauch seiner Mutter im Mai 2019. Silja Greuner starb wenige Stunden später auf dem OP-Tisch im Hamburger UKE – mit 37 Jahren.

Foto: Niklas Grapatin / DER SPIEGEL

Joachim Greuner, heute 40, ist Anwalt. Im September 2020 kontaktierte er den SPIEGEL. Er wollte erzählen, wie seine Frau und sein Kind gestorben waren. Und wie das Krankenhaus ihn seitdem behandelt.

Foto: Niklas Grapatin / DER SPIEGEL

Das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) ist ein renommiertes Krankenhaus. Jährlich kommen dort mehr als 3000 Kinder auf die Welt.

Dass Mutter und Kind im Kreißsaal sterben, kommt in Deutschland so gut wie nie vor.



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Anfangs der Beziehung sei der Wunsch nach Kindern weit weg gewesen, sagt Greuner. »Wenn früher Freunde von uns ein Kind bekamen, fand sie es süß, mehr nicht. Dann kam Niklas, und Silja wurde die beste Mutter der Welt

Foto: Niklas Grapatin / DER SPIEGEL

Dann ist Silja Greuner zum zweiten Mal schwanger. Nach ihrem Urlaub im Mai 2019 wacht sie mit Schüttelfrost auf. Ihr Frauenarzt schickt sie ins UKE. Für alle Fälle, habe er gesagt.

Foto: Niklas Grapatin / DER SPIEGEL


Silja Greuners Körper kämpft zu diesem Zeitpunkt wohl bereits mit einer Sepsis, einer Blutvergiftung.


Es kommt dabei auf jede Minute an. Im UKE gehen sie von einer Sommergrippe aus.

Silja Greuner bekommt am UKE nicht das benötigte Antibiotikum, sondern Paracetamol. Ein Schmerzmittel, das auch Fieber senkt. Es dämpft die Symptome, bekämpft aber nicht die Ursache.

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Mehr als 17 Stunden nach der Aufnahme im Kreißsaal wird die Diagnose gestellt. Die Ärztin entscheidet sich für einen Eilkaiserschnitt.

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Laut Silja Greuners Krankenakte lag die Herzfrequenz des Kindes an diesem Morgen bei 135 Schlägen pro Minute, üblicher Puls für Föten.


Um 6.25 Uhr später kommt ein Kind zur Welt – es ist tot.



Schneidet man einer Schwangeren mit fortgeschrittener Sepsis den Bauch auf, tut man das in erster Linie, um das Kind zu retten.


Die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Mutter überlebt, ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr hoch.

Man weiß nicht, seit wann das Kind tot war. 150 Schläge pro Minute, das war vermutlich das Herzrasen der Mutter. Die Ärzte operieren kurz darauf Silja, sie wird es nicht überleben.

Foto: Bild-Credit kommt hier hin

»Wie kann es sein, dass beide sterben? Was ist in der Nacht passiert?«

Das fragt Joachim Greuner die Ärzte im UKE, nachdem sie ihm vom Tod seiner Frau berichteten.

Foto: Georg Wendt/dpa (Symbolbild)

   

Was in den drei Jahren seitdem passiert ist, nennt Joachim Greuner einen Albtraum. Lesen Sie hier die Geschichte seiner Familie:



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