Als Minderjähriger wurde Georg Menne immer wieder von einem Priester vergewaltigt. Trotzdem arbeitete er sein Leben lang für die Kirche. Jetzt, mit 63, verklagt er sie auf Schmerzensgeld.

Foto: Marcus Simaitis / Der SPIEGEL

–-Er verehrte ihn wie einen Vater

Georg Menne ist 13 Jahre alt, als sein Vater stirbt. In der katholischen Kirchengemeinde Köln-Bilderstöckchen findet er Halt. Dort lernt er den damals 39-jährigen Pfarrer Erich Jansen kennen.

Der Anfang

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Pfarrer Jansen habe dem jungen Georg Menne mehr Aufmerksamkeit geschenkt als anderen Ministranten, ihm etwa den Schlüssel zum Pfarrheim anvertraut. Er habe sich besonders gefühlt, sagt Menne.

Es war im Herbst 1972, als der Pfarrer sagte, er besitze ein Haus in der Eifel. Viel Platz und keine Nachbarn. Hier plane er eine Ministrantenfreizeit. Menne fuhr mit.

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Der Missbrauch

Es begann mit Geländespielen. Die Jungen sollten mit Karte und Kompass durch den Wald laufen. Wer als Letzter zurückfand, wurde bestraft.


Jansen dachte sich verschiedene Strafen aus. Bei einer wurde der Verlierer an Händen und Füßen gefesselt, in den Keller zum Waschraum gebracht und dort vom Pfarrer kalt abgeduscht.

Menne erinnert sich, wie der Pfarrer sagte: »Georg, zieh dir die Hose runter. Ich muss mal deine Genitalien kontrollieren, ob du dich richtig entwickelst.«

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35-mal sei Georg Menne mit dem Pfarrer in der Eifel gewesen, 320 Nächte, von 1972 bis 1979. Menne sagt, er sei an jedem einzelnen Tag missbraucht worden.

»Wenn ich nicht wollte, sagte er: Auf diese Weise wirst du wissen, wie sehr ich dich mag.«

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Bis ins hohe Erwachsenenalter schwieg Menne darüber und arbeitete für das Erzbistum. Lange Zeit war Jansen sein engster Vertrauter. Warum?

Er sei wie ein Abhängiger gewesen, der die Heilung vom Gift im Gift sucht. Sein Gift? Die Zuwendung. Das Lob.



Jetzt verklagt Georg Menne das Erzbistum Köln auf 750.000 Euro Schmerzensgeld. Und hat dem Glauben abgeschworen. Hier erzählt er seine Geschichte:

––Die Anklage

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