Dubiose Vertreterfirmen brachten ein Seniorenpaar mit vermeintlich kostbaren Büchern um ihr ganzes Erspartes. Tausende wurden bereits Opfer dieses Betrugs.

Foto: Peter Jülich / DER SPIEGEL

–-Um 300.000 Euro betrogen: »Oma, das ist nichts wert«

Im März 2019 klingeln zwei Männer an der Tür des Ehepaars Müller, um ihnen ein Angebot zu machen. Ob es stimme, dass sie ein Lexikon besitzen, habe einer gefragt.

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Der Anfang

Ja, das stimmt, antwortet Werner Müller. Ende der Neunzigerjahre hatte er bei der Bertelsmann Lexikothek 27 Bände der »Chronik – Bibliothek des 20. Jahrhunderts« bestellt. Für damals 6000 DM.

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Die Müllers müssten vorher sogenannte Faksimiles kaufen. Das sind Nachdrucke historischer Bücher, gedacht für ein Museum oder Sammler.

Die beiden Männer bieten an, das alte Nachschlagewerk für einige Zehntausend Euro zu verkaufen. Unter einer Bedingung:

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Die Verkäufer bieten drei Gebetsbücher aus dem 15. und 16. Jahrhundert an. Der Preis: 19.999 Euro. Damit hätten die Müllers eine Sammlung, die bei Kennern begehrt sein würde. Ein Vertrag wird sofort aufgesetzt.

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Die Abzocke

So fängt es an. Immer wieder rufen Vertreter an – die Müllers müssten noch weitere Faksimiles kaufen. Innerhalb von drei Jahren kauft das Ehepaar 20 solcher Schriften, die teuerste kostet 34.500 Euro.

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»Sie sagten, wir müssten weitere kaufen. Wenn nicht, würden wir auf allem sitzen bleiben.«

Erika Müller, 86, über die Betrugsmasche mit Faksimiles. Ihr ganzes Erspartes sei nun weg.

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Irgendwann vertraute sich das Ehepaar einem Anwalt an. Und fand heraus: Dubiose Firmen zocken systematisch ehemalige Bertelsmann-Kunden ab. Um andere zu warnen, erzählen die Müllers SPIEGEL-Reporter Christopher Piltz ihre Geschichte:

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